Über 600 Jahre Tradition
Die Regensburger Dult blickt auf eine über 600-jährige Geschichte zurück. Was im Mittelalter als Kirchenfest mit Marktständen begann, hat sich über die Jahrhunderte zu einem der beliebtesten Volksfeste der Oberpfalz entwickelt.
Vom Kirchenfest zum Jahrmarkt
Das Wort Dult stammt aus dem Gotischen und bedeutet so viel wie "ausgelassenes Fest". Ursprünglich bezeichnete es ein Kirchenfest, das zu Ehren eines Heiligen gefeiert wurde.
In Regensburg richteten sich die Marktzeiten nach den Wallfahrten zu den Gräbern der Heiligen Erhard und Emmeram sowie nach Kirchweihfesten. Rund um diese Feiern entstanden Marktstände, an denen Waren aller Art angeboten wurden.
1389: Das Stadtamhofer Privileg
Ein Schlüsseldatum in der Geschichte der Dult: 1389 erhielt Stadtamhof vom bayerischen Herzog das Privileg, einen Wochenmarkt und zwei Jahrmärkte abzuhalten. Diese Genehmigung war eine Wiederaufbauhilfe nach den schweren Zerstörungen des Städtekriegs.
Damit war der Grundstein für die Tradition gelegt, die bis heute Bestand hat.
Um 1800: Blütezeit in der Altstadt
Um 1800 hatten sich zwei feste Dult-Termine im Frühjahr und Herbst etabliert. Die Märkte fanden an verschiedenen Orten in der Regensburger Altstadt statt, darunter am Neupfarrplatz, in der Residenzstraße, am Domplatz und am Krauterermarkt.
1808 zählte die Dult bereits 148 Marktstände. Händler reisten aus der Schweiz, Böhmen, Nürnberg, München, Augsburg und dem Schwarzwald an. Neben Waren gab es Spielbuden und Karussells, die den Jahrmarktcharakter prägten.
1850 besuchte der Dichter Eduard Mörike die Dult und beschrieb begeistert die Guckkästen mit mechanischen Figuren, ein großes Panorama der Völkerschlacht bei Leipzig und ein "Theatre pittoresque".
1875: Ende in Regensburg, Neuanfang in Stadtamhof
1871 bezeichnete Bürgermeister Oscar von Stobäus die Dulten als "längst überlebt und heutzutage überhaupt eine mindestens überflüssige Einrichtung". 1875 beschloss die Stadt Regensburg schließlich die Aufhebung ihrer Dulten, da sie keine Gewinne mehr erzielen konnte.
Doch was in Regensburg endete, blühte in Stadtamhof erst richtig auf. Die Stadtamhofer Dult erlebte nach 1875 einen enormen Aufschwung. Besucher strömten aus einem großen Umkreis herbei, von Velburg über Roding bis Straubing. Das Gelände am Protzenweiher und die Hauptstraße Stadtamhofs boten reichlich Platz für den wachsenden Markt.
1924 bis 1972: Eingemeindung und Umzug
Mit der Eingemeindung Stadtamhofs nach Regensburg im Jahr 1924 wurde die Stadtamhofer Dult offiziell zur Regensburger Dult. Der Stadtrat erließ eine neue Dultordnung.
Eine Besonderheit dieser Zeit: Bis 1933 war der Dultplatz Haltepunkt der schmalspurigen Walhallabahn, die Regensburg mit Wörth an der Donau verband.
1972 musste die Dult aufgrund des Kanalbaus auf ihr heutiges Veranstaltungsgelände umziehen, blieb aber im Stadtteil Stadtamhof.
Die Dult heute
Heute gilt die Regensburger Dult als eines der schönsten Volksfeste der Oberpfalz. Zweimal im Jahr, zur Maidult und zur Herbstdult, verwandelt sich der Dultplatz am Protzenweiher für jeweils zwei Wochen in einen lebendigen Jahrmarkt.
Die Dult vereint Tradition und Vergnügen: Neben der beliebten Warendult mit regionalen Händlern locken Fahrgeschäfte für die ganze Familie, Festzelte und Fischzelte sowie traditionelle Spezialitäten. Jeden Mittwoch ist Familientag mit reduzierten Preisen, montags gibt es Angebote für Senioren. Den Höhepunkt bildet das traditionelle Feuerwerk.